Während meines Studiums habe ich mich immer wieder einmal mit dem Thema "Haben wir einen freien Willen?" befasst, wobei ich u.a. Ausflüge in die Neurophilosophie unternommen habe. Dort wiederum untersucht man Experimente, die in der Neurowissenschaft, Medizin, Physik, Biologie und in weiteren Disziplinen beheimatet sind. Eines davon fand ich besonders interessant: es ging um das Libet-Experiment und die Nachfolgetests.

Das Versuchsdesign war relativ einfach, die Ergebnisse dazu waren relativ bahnbrechend - zumindest für manche Wissenschaftler: denn nach dem Libet-Experiment durfte man an der Willensfreiheit des Menschen gewissermaßen zweifeln. An dieser Stelle möchte ich gar nicht weiter auf die Einzelheiten eingehen; doch ich glaube ebenfalls, dass der Mensch in vielen Situationen determiniert ist.

Das Handeln des Einzelnen erfolgt im Alltag sehr häufig automatisiert; es wäre auch undenkbar (und das im wörtlichen Sinne), wenn man immer eine bewusste Entscheidung treffen müsste: ob ich jetzt den Lichtschalter wirklich betätigen will oder nicht? Knöpfe ich meine Hose zu oder laufe ich heute mal mit offener Hose rum? Muss ich das Wasser tatsächlich aufkochen oder will ich meinen Tee lieber in kaltem Wasser ziehen lassen?

Was der Mensch überhaupt wollen kann, wird an vielen Stellen heiß diskutiert: was Frauen und Männer tatsächlich wollen (u.a. ein Thema auf http://www.mann-erobern.de/was-wollen-maenner.html) ist oftmals unklar. Schopenhauer, einer meiner Lieblingsphilosophen würde behaupten, dass der Wille auf jeden Fall vor der Vernunft kommt. Der Mensch hat bestenfalls die Möglichkeit, ein "Veto" gegenüber seiner nächsten Handlung, die der blinde Wille ausführen will, einzulegen.

Freiheitsliebende Menschen heulen in diesem Moment oftmals auf: ist mein Handeln tatsächlich so stark determiniert? Ich stelle da eine Gegenfrage: wer könnte denn schon so einfach aus seinem Alltag ausbrechen und in irgendein fremdes Land gehen, dort eine Existenz aufbauen und für den Rest seines Lebens dort bleiben? Eben.